Organunterstützende Verfahren auf der Intensivstation

Eine intensivmedizinische Behandlung ist notwendig, wenn der Körper bestimmte lebenswichtige Funktionen nicht mehr ausreichend selbst aufrechterhalten kann. Dafür kann es sehr unterschiedliche Gründe geben. Eine schwere Infektion, ein Trauma, eine Vergiftung, eine neurologische Erkrankung, ein operativer Eingriff oder auch eine chronische Erkrankung können eine oder mehrere Körperfunktionen beeinträchtigen. Das Behandlungsteam versucht, die Ursache dieses Versagens zu behandeln, doch das kann Zeit benötigen. In dieser Zeit müssen bestimmte Funktionen weiterhin gewährleistet werden.

 

Genau das ist das Prinzip der Organunterstützung: den Körper vorübergehend dabei zu unterstützen, Funktionen zu übernehmen, die er allein nicht mehr ausreichend bewältigen kann.

Diese Unterstützung kann sehr unterschiedlich aussehen. Sie kann darin bestehen, eine Funktion engmaschig zu überwachen, Komplikationen vorzubeugen, Medikamente einzusetzen oder eine Körperfunktion mithilfe eines Geräts teilweise oder vollständig zu ersetzen.

Die Sauerstoffversorgung des Körpers sicherstellen

Atmen und den Gasaustausch sicherstellen

Damit die Zellen des Körpers richtig funktionieren können, benötigen sie Sauerstoff und produzieren Kohlendioxid, das ausgeschieden werden muss.

Damit dieser Austausch funktioniert, müssen mehrere Funktionen zusammenspielen: Die Luft muss die Lunge erreichen können, die Atembewegungen müssen ausreichend sein und die Lunge muss Sauerstoff ins Blut aufnehmen und Kohlendioxid abgeben können. Schwierigkeiten können daher an verschiedenen Stellen dieser Kette auftreten:

  • Eine Lungenerkrankung kann verhindern, dass das Blut ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird.
  • Ein Hindernis in den Atemwegen kann den Luftstrom blockieren.
  • Eine neurologische Erkrankung oder eine Schwäche der Atemmuskulatur kann trotz gesunder Lunge eine ausreichende Atmung verhindern.
  • Eine Bewusstlosigkeit kann außerdem die Schutzreflexe der Atemwege beeinträchtigen und vorsorglich eine Intubation erforderlich machen (Gefahr, dass Mageninhalt in die oberen Atemwege gelangt und eingeatmet wird).

Eine Atemunterstützung bedeutet daher nicht zwangsläufig, dass die Lunge selbst erkrankt ist.


Beobachten und messen

Das Team überwacht Atmung und Gasaustausch anhand verschiedener Parameter: Atemfrequenz und Atemeffizienz, Sauerstoffsättigung, Blutgase und klinische Entwicklung.

Anhand dieser Informationen lässt sich feststellen, welcher Teil der Atemfunktion beeinträchtigt ist und welche Form der Unterstützung erforderlich ist.


Sauerstoff zuführen

Wenn das Hauptproblem ein zu niedriger Sauerstoffgehalt im Blut ist, kann das Team die Sauerstoffzufuhr erhöhen und die geeignete Applikationsform wählen: von einer einfachen Nasenbrille über eine Sauerstoffmaske mit Reservoirbeutel (Hochkonzentrationsmaske), die an die zentrale Sauerstoffversorgung angeschlossen ist, bis hin zu einer High-Flow-Sauerstofftherapie mit größeren Nasenkanülen, die an ein Gerät angeschlossen sind, das deutlich höhere Flussraten als herkömmliche Durchflussmesser ermöglicht. In manchen Situationen reicht dies bereits aus.

 

Die Atmung unterstützen

Wenn eine Person keine ausreichende Belüftung der Lunge mehr selbst gewährleisten kann, kann eine Atemunterstützung notwendig werden.

Diese Unterstützung kann über eine Maske oder andere Hilfsmittel erfolgen (Endotrachealtubus, Tracheostomie). Wenn die Atmung stärker unterstützt werden muss, kann ein Beatmungsgerät einen Teil oder die gesamte Atemarbeit übernehmen.

Das Ausmaß der Unterstützung wird an die jeweilige Situation angepasst und kann sich im Verlauf des Aufenthalts verändern.


Wenn die Lunge den Gasaustausch nicht mehr ausreichend gewährleisten kann

In besonders schweren Situationen kann die Lunge trotz Behandlung und mechanischer Beatmung nicht mehr ausreichend Sauerstoff aufnehmen und Kohlendioxid abgeben.



In bestimmten Fällen kann das zirkulierende Blut direkt außerhalb des Körpers mit Sauerstoff angereichert und von Kohlendioxid befreit werden. Dazu wird es durch einen extrakorporalen Kreislauf geleitet, der einen Teil des Gasaustauschs übernimmt, bevor das Blut in den Körper zurückgeführt wird. Dieses Verfahren kommt nur in wenigen speziellen Situationen infrage, ist nicht risikofrei und erfordert eine hochspezialisierte Betreuung. Die Atemunterstützung wird laufend an die Entwicklung der Person angepasst.


Wenn sich die Atemfunktion ausreichend erholt, reduziert das Team die Unterstützung schrittweise. Die Person kann dann nach und nach wieder selbstständig atmen.

Die Blutzirkulation aufrechterhalten

Das Blut muss im gesamten Körper zirkulieren, um die Zellen mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen und unter anderem Kohlendioxid sowie bestimmte Abfallstoffe abzutransportieren.

Damit diese Zirkulation ausreichend ist, muss insbesondere das Herz das Blut weiterpumpen, die Blutgefäße müssen ihren Durchmesser anpassen können und das zirkulierende Blutvolumen muss ausreichen. Auf der Intensivstation überwacht das Team daher kontinuierlich den Kreislauf und seine Auswirkungen auf die verschiedenen Organe.

 

Den Kreislauf überwachen

Blutdruck, Herzrhythmus und die produzierte Urinmenge gehören zu den Parametern, die überwacht werden können. Weitere Messwerte, insbesondere Laborwerte, helfen dabei zu beurteilen, ob die Organe ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt werden. So kann eine unzureichende Durchblutung schnell erkannt und ihre Ursache gesucht werden.

 

Den Kreislauf unterstützen

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der unzureichenden Durchblutung. Hat eine Person viel Blut oder Flüssigkeit verloren, kann das Team Flüssigkeit über Infusionen und bei Bedarf Blutprodukte verabreichen. Bestimmte Medikamente können ebenfalls eingesetzt werden, um den Blutdruck zu erhöhen oder die Herzfunktion zu unterstützen. Diese Maßnahmen stabilisieren den Kreislauf, während gleichzeitig die zugrunde liegende Ursache behandelt wird.

 

Wenn der Kreislauf stärker unterstützt werden muss

In besonders schweren Situationen kann das Herz trotz der Behandlung nicht mehr für eine ausreichende Blutzirkulation sorgen.

Dann können mechanische Unterstützungssysteme einen Teil der Arbeit übernehmen, die notwendig ist, um das Blut im Körper zirkulieren zu lassen. Diese Verfahren sind besonderen Situationen vorbehalten, nicht risikofrei und erfordern eine sehr engmaschige Überwachung.

Auch hier gilt: Das Ausmaß der Unterstützung kann sich mit dem Zustand der Person verändern. Wenn Herz und Kreislauf wieder ausreichend leistungsfähig sind, kann das Team Medikamente und Unterstützungssysteme schrittweise reduzieren.

Das innere Gleichgewicht des Körpers aufrechterhalten

 

Damit unsere Zellen richtig funktionieren, ist ein fein abgestimmtes Gleichgewicht notwendig. Die Wassermenge im Körper, die Konzentration bestimmter Mineralsalze im Blut, der Blutzuckerspiegel und der Säure-Basen-Haushalt müssen innerhalb bestimmter Grenzen bleiben. Eine schwere Erkrankung und ihre Auswirkungen auf die Organe können dieses Gleichgewicht stören. Die Nieren können Wasser und Mineralsalze weniger gut regulieren, eine Infektion kann den Stoffwechsel verändern und manche Behandlungen können den Blutzucker oder den Kaliumspiegel im Blut beeinflussen. Auch Nährstoffzufuhr und Flüssigkeitsverluste können sich deutlich von denen eines gesunden Menschen unterscheiden.

Das Intensivteam überwacht diese verschiedenen Parameter daher regelmäßig, unter anderem durch Blutuntersuchungen und durch die Bilanzierung von Zufuhr und Ausscheidung.

 

Die Zufuhr an den Bedarf des Körpers anpassen

Infusionslösungen, Medikamente, Ernährung und weitere Zufuhren werden an den Bedarf der Person angepasst und täglich mengenmäßig erfasst. So kann es beispielsweise notwendig sein, Kalium zuzuführen oder seine Zufuhr im Gegenteil zu begrenzen. Jeden Tag werden Zufuhr und Verluste des Patienten bilanziert und die verabreichte Flüssigkeitsmenge an seinen Zustand und seine Ausscheidungsfähigkeit angepasst, um das Gleichgewicht möglichst gut zu erhalten. 

 

Ungleichgewichte korrigieren

Wenn die Untersuchungen ein Ungleichgewicht zeigen, sucht das Team nach der Ursache und kann gegensteuern. Dazu können Infusionen, Ernährung oder Medikamente angepasst werden. Manche Situationen erfordern zusätzlich eine spezifischere Behandlung.

Ein zu hoher oder zu niedriger Blutzuckerspiegel kann beispielsweise eine engmaschige Überwachung und eine entsprechende Behandlung notwendig machen.

 

Wenn diese Maßnahmen nicht mehr ausreichen

In bestimmten Situationen sind die Regulationsfunktionen des Körpers so stark beeinträchtigt, dass sie sich mit diesen Maßnahmen allein nicht mehr aufrechterhalten lassen. Eine Nierenersatztherapie kann dann beispielsweise dabei helfen, die Wassermenge im Körper und bestimmte Bestandteile des Blutes zu kontrollieren, wenn die Nieren dies nicht mehr ausreichend leisten können.

Energie und Nährstoffe zuführen

 Auch wenn eine Person schwer erkrankt ist, benötigt ihr Körper Energie, Eiweiß, Vitamine und viele weitere Nährstoffe, um zu funktionieren und sich zu erholen. Auf der Intensivstation ist eine normale Nahrungsaufnahme jedoch nicht immer möglich. Sedierung, Bewusstseins- oder Schluckstörungen oder Situationen, in denen der Verdauungstrakt nicht genutzt werden kann, können eine ausreichende Ernährung über den Mund verhindern.

Dann kann eine künstliche Ernährung begonnen werden, um den Körper mit allem zu versorgen, was er benötigt.

 

Zwei Wege der künstlichen Ernährung

Es gibt zwei Hauptformen der künstlichen Ernährung.

Bei der enteralen Ernährung wird der Verdauungstrakt genutzt. Sie erfolgt meist über eine Sonde, die durch die Nase oder den Mund bis in den Magen geführt wird. Über diese Sonde können die notwendigen Nährstofflösungen verabreicht werden. Sie kann außerdem zur Gabe bestimmter Medikamente und von Wasser genutzt werden.

Wenn der Verdauungstrakt nicht genutzt werden kann, kann eine parenterale Ernährung direkt über die Venen verabreicht werden.

Produkte für die enterale und parenterale Ernährung enthalten Eiweiß, Fette, Kohlenhydrate, Wasser, Vitamine und Spurenelemente in Mengen, die an den Bedarf der Person angepasst sind.

Der Bedarf wird vom Team regelmäßig beurteilt und neu bewertet, insbesondere mit Unterstützung von Ernährungsfachkräften.

 

Warum künstlich ernähren, wenn ein Patient wieder zu essen beginnt?

Ein Aufenthalt auf der Intensivstation ist eine große Belastung für den Körper. Schwere Erkrankung, Immobilität und Entzündungen können unter anderem zu einem Verlust von Muskelmasse führen, der als Sarkopenie bezeichnet wird. Deshalb ist eine ausreichende Zufuhr von Energie und Eiweiß wichtig, um den Verbrauch körpereigener Reserven möglichst zu begrenzen.

Auch wenn eine Person wieder über den Mund essen kann, können die aufgenommenen Mengen noch unzureichend sein. Müdigkeit, Medikamente, Untersuchungen, Veränderungen des Schlaf-Wach-Rhythmus oder verminderter Appetit können die Nahrungsaufnahme erschweren. Die künstliche Ernährung kann dann ergänzend zur normalen Nahrungsaufnahme fortgesetzt werden.

Sie wird an den Bedarf der Person angepasst. Sie kann beispielsweise überwiegend nachts verabreicht werden, wenn tagsüber bereits besser gegessen wird. Sobald die orale Nahrungsaufnahme ausreichend ist, kann die künstliche Ernährung schrittweise reduziert und schließlich beendet werden.

 

Was ist, wenn das Schlucken schwerfällt?

Nach einem Aufenthalt auf der Intensivstation, insbesondere nach einer Intubation, können Schluckstörungen auftreten. Auch Müdigkeit, bestimmte neurologische Erkrankungen oder andere Situationen können die Schluckfunktion beeinträchtigen.

Beim Verschlucken können dann Nahrung oder Flüssigkeit in die Atemwege gelangen.

Das Team beurteilt die Fähigkeiten der Person. Falls erforderlich, beteiligen sich Logopädinnen und Logopäden sowie Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten an Behandlung und Rehabilitation. Wenn die orale Nahrungsaufnahme wieder möglich ist, wird sie an die Fähigkeiten der Person angepasst. So können beispielsweise die Konsistenz von Speisen oder die Dickflüssigkeit von Getränken verändert werden, um das Risiko des Verschluckens zu verringern.

Wenn die Nahrungsaufnahme über den Mund weiterhin unmöglich, zu riskant oder unzureichend ist, wird die künstliche Ernährung vollständig oder ergänzend fortgeführt.

 

Und wenn dies länger dauert?

Wenn über längere Zeit ein hoher Ernährungsbedarf besteht, ist eine Nasen- oder Mundsonde nicht immer die beste Lösung. Je nach Situation kann eine Sonde dann direkt über eine Gastrostomie in den Magen oder über eine Jejunostomie in den Darm gelegt werden. Diese Entscheidungen richten sich nach der Entwicklung und den Bedürfnissen der Person und werden, sofern sie an Entscheidungen teilnehmen kann, mit ihr sowie mit den verschiedenen an ihrer Behandlung beteiligten Fachpersonen abgestimmt.

Abfallstoffe ausscheiden

Unser Körper produziert ständig Abfallstoffe und Substanzen, die ausgeschieden werden müssen. Gleichzeitig muss er die Menge an Wasser und Mineralsalzen in einem Bereich halten, der die normale Funktion der Zellen ermöglicht.

Die Nieren spielen bei dieser Regulation eine zentrale Rolle. Ausscheidung beschränkt sich jedoch nicht auf die Nierenfunktion. Auch der Darm trägt zur Entfernung von Abfallstoffen bei, und eine funktionierende Darmtätigkeit muss erhalten werden. Auf der Intensivstation überwacht das Team daher, was die Person ausscheidet und auf welche Weise.

 

Urin

Besonders genau wird die im Verlauf produzierte Urinmenge überwacht. Sie liefert Informationen über die Nierenfunktion, aber auch über den Allgemeinzustand der Person und das Gleichgewicht zwischen Flüssigkeitszufuhr und -verlusten.

Falls erforderlich, ermöglicht ein Blasenkatheter das Auffangen des Urins und eine genaue Messung der Menge. Er wird nicht routinemäßig eingesetzt und sobald wie möglich wieder entfernt.

Auch Farbe und Aussehen des Urins können beobachtet werden.

Durch diese Überwachung kann das Team einen deutlichen Rückgang der Urinproduktion frühzeitig erkennen und die Behandlung entsprechend anpassen.

 

Darmtätigkeit

Auch die Funktion des Darms wird überwacht.

Auf der Intensivstation kann die Darmtätigkeit beeinträchtigt sein – etwa durch die Erkrankung, Immobilität, bestimmte Medikamente, Sedierung oder Veränderungen der Ernährung. Dadurch können Verstopfung oder Durchfall auftreten.

Das Team achtet deshalb auf eine angemessene Darmtätigkeit und greift bei Bedarf ein. Dazu können eine Anpassung der Ernährung, Mobilisation, sofern der Zustand der Person dies zulässt, oder Medikamente zur Unterstützung einer normalen Darmfunktion gehören.

Ziel ist es, die Darmfunktion möglichst aufrechtzuerhalten, bevor Komplikationen entstehen.

 

Wenn die Nieren ihre Funktion nicht mehr ausreichend erfüllen

Manchmal können die Nieren trotz Behandlung und Therapie der Krankheitsursache ihre Aufgaben nicht mehr ausreichend erfüllen.

Dann können sich Abfallstoffe und Wasser im Körper ansammeln, und bestimmte Bestandteile des Blutes können gefährliche Konzentrationen erreichen.

In solchen Situationen kann das Team eine Nierenersatztherapie (Dialyse) einsetzen.

Dabei wird ein Teil des Blutes durch ein Gerät geleitet, das bestimmte Abfallstoffe und eine festgelegte Menge Wasser entfernt. Auf diese Weise übernimmt das Verfahren vorübergehend einen Teil der normalerweise von den Nieren ausgeführten Aufgaben.

Wenn sich die Nieren ausreichend erholen, kann das Team diese Unterstützung schrittweise beenden.

Blasenkatheter und Dialyse erfüllen daher unterschiedliche Aufgaben. Der Katheter dient unter anderem dazu, Urin aufzufangen und seine Menge zu messen. Die Dialyse kann dagegen vorübergehend einen Teil der Nierenfunktion ersetzen, wenn die Nieren bestimmte Aufgaben nicht mehr ausreichend erfüllen.

Die körperlichen Fähigkeiten erhalten

Auf der Intensivstation besteht ein wichtiger Teil der Behandlung auch darin, die Fähigkeiten zu erhalten, die eine Person noch nutzen kann, und diejenigen vorzubereiten, die sie nach der akuten Krankheitsphase wiedererlangen muss.

 

Längere Immobilität, eine schwere Erkrankung, Mangelernährung und bestimmte Behandlungen können zu einem deutlichen Verlust der Muskelkraft führen. Dieser Verlust kann schnell einsetzen und selbst einfache Tätigkeiten erschweren: sich im Bett drehen, sitzen, aufstehen, gehen oder ausreichend selbstständig atmen. Wenn es der Zustand erlaubt, versucht das Team daher, körperliche Aktivität und Selbstständigkeit so weit wie möglich zu erhalten.

 

Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten sowie andere Fachpersonen des Teams können angepasste Mobilisationsübungen anbieten. Zu Beginn können diese sehr einfach sein und schrittweise gesteigert werden: Arme und Beine bewegen, an der Bettkante sitzen, in einen Stuhl oder Sessel wechseln, aufstehen oder wieder laufen lernen. Auch die Ernährung trägt zum Erhalt dieser Fähigkeiten bei, insbesondere durch eine ausreichende Zufuhr von Energie und Eiweiß, um den Muskelabbau möglichst zu begrenzen.

 

Mobilisation und Rehabilitation sind nicht immer sofort möglich. Sie werden an den Zustand der Person, ihren Wachheitsgrad und die notwendigen Behandlungen angepasst.

Ziel ist jedoch, mit dem Wiederaufbau körperlicher Fähigkeiten nicht erst zu beginnen, wenn die Erkrankung vollständig überwunden ist. Sobald es möglich ist und ohne die Person zu gefährden, begleitet das Team sie schrittweise zurück in die Selbstständigkeit.

Den Menschen selbst unterstützen …?

Auf der Intensivstation kann eine Person vorübergehend bestimmte Dinge nicht mehr selbst tun. Sie kann möglicherweise auch nicht kommunizieren, erzählen, wer sie ist, sagen, was ihr vertraut ist, oder sich an Entscheidungen beteiligen, die sie betreffen. Das Team kümmert sich nicht nur um ihre lebenswichtigen Funktionen. Es versucht auch, den Menschen hinter der Erkrankung kennenzulernen.

 

Angehörige können wertvolle Informationen geben: über Gewohnheiten, Vorlieben, den Tagesrhythmus, Dinge, die beruhigen oder beunruhigen, und über wichtige Menschen im Leben der Person. Diese Informationen helfen dem Team, sie besser zu verstehen und die Betreuung so weit wie möglich individuell anzupassen.

Auch das Zimmer kann mit vertrauten Dingen persönlicher gestaltet werden: Fotos, Musik, Kleidung, Pflegeprodukte oder andere Gegenstände, die für die Person eine Bedeutung haben. Solche Dinge können dazu beitragen, die Verbindung zu ihrem gewohnten Leben und Umfeld aufrechtzuerhalten.

 

Wenn die Person keine Erinnerung an das Erlebte aufbauen kann

Solange ein Patient sediert, im Koma oder auch verwirrt ist, wird er nur wenige Erinnerungen an das Erlebte behalten. Dennoch können Spuren und Folgen zurückbleiben, und später kann ein starkes Bedürfnis entstehen, nachzuvollziehen, was geschehen ist. Angehörige und das Team können deshalb mithilfe eines Intensivtagebuchs festhalten, was passiert.

Darin können wichtige Ereignisse des Aufenthalts, einzelne Schritte der Behandlung, Besuche oder Momente aus dem Alltag beschrieben werden. Die Person kann das Tagebuch später lesen, wenn sie dazu bereit ist. 

In solchen Phasen übernimmt das Team gewissermaßen auch Aufgaben für die Person: Es achtet auf ihre Bedürfnisse, bewahrt ihre Geschichte mit ihr und hilft dabei, sie als Person in ihre eigene Behandlung einzubeziehen, auch wenn sie daran noch nicht vollständig teilnehmen kann.

 

Diese Fürsorge ersetzt die Person selbstverständlich nicht. Sie begleitet sie vielmehr bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie nach und nach wieder selbst ihren Platz in der Behandlung und bei Entscheidungen übernehmen kann.

Eine Organunterstützung bedeutet nicht zwangsläufig, dass ein Organ dauerhaft versagt.

Manchmal übernimmt sie lediglich vorübergehend eine Funktion, während das Team die Ursache der Erkrankung behandelt und dem Körper Zeit zur Erholung gibt.

Wenn Sie weitere „Nebenwirkungen“ eines Intensivaufenthalts erlebt haben, an die wir nicht gedacht haben, erzählen Sie uns gern davon! LifeMapp lebt von den Erfahrungen aller.