Die Aufnahme auf die Intensivstation ist für Angehörige ein wichtiger und häufig beängstigender Moment. Oft müssen sie lange warten, manchmal mehrere Stunden, bevor sie den Patienten sehen oder Informationen vom Behandlungsteam erhalten. Hier erklären wir, warum.
Die folgende Beschreibung betrifft vor allem besonders schwer erkrankte Patienten, die sich im Schock befinden – also in einem sehr ernsten Zustand, beispielsweise infolge einer Blutung, einer schweren Infektion, einer schweren allergischen Reaktion oder eines Herzversagens –, bei denen ein hohes Risiko für einen Schock besteht oder die im Koma aufgenommen werden. Nicht jeder Patient benötigt alle diese Maßnahmen.
Wenn der Patient bereits intubiert und künstlich beatmet aufgenommen wird, wird in der Regel eine Röntgenaufnahme angefertigt, um die korrekte Lage des Tubus zu überprüfen. Anschließend wird das Beatmungsgerät anhand der Blutuntersuchungen, insbesondere der Blutgasanalyse, eingestellt. Ist der Patient nicht intubiert, benötigt dies aber dringend, wird die Intubation rasch durchgeführt. Trotzdem kann die Vorbereitung etwas Zeit beanspruchen: Das notwendige Material und ein ausreichend großes Behandlungsteam müssen zusammenkommen, gleichzeitig wird die Maßnahme erklärt, das Einverständnis eingeholt und die Person beruhigt, sofern sie bei Bewusstsein ist.
Falls erforderlich, werden gleichzeitig Katheter gelegt: häufig ein zentralvenöser Katheter für Medikamente, die einen sicheren zentralen Gefäßzugang benötigen, sowie ein arterieller Katheter zur kontinuierlichen Überwachung des Blutdrucks. Diese Maßnahmen werden unter sterilen Bedingungen durchgeführt, also unter sehr strengen Hygienemaßnahmen: Die Ärztin oder der Arzt desinfiziert gründlich die Hände, trägt Maske, Haube und sterilen Kittel und legt sterile Abdeckungen an, bevor der Katheter platziert wird. All dies kann etwas Zeit beanspruchen – pro Katheter mitunter mehrere zehn Minuten.
Wenn diese Maßnahmen abgeschlossen sind, räumen Pflegefachpersonen und Pflegeassistentinnen bzw. -assistenten das Intensivzimmer auf und lagern den Patienten so, dass der erste Anblick für die Angehörigen beim Betreten des Zimmers möglichst wenig belastend ist. Gleichzeitig prüfen die Ärztinnen und Ärzte die Ergebnisse der zuvor entnommenen Blutproben und fassen in der Krankenakte den aktuellen Stand sowie noch offene Fragen zusammen.
Erst dann, wenn der Patient versorgt und die Situation so weit wie möglich stabilisiert ist, kann sich das Team Zeit für die Angehörigen nehmen. Es erläutert, wie es die Situation mit den aktuell verfügbaren Informationen einschätzt, stellt noch offene Fragen und begleitet die Angehörigen anschließend ins Zimmer.
Erfahrungsbericht von KatiaDie Aufnahme auf die Intensivstation
Beim ersten Aufnahmegespräch ist es für das Behandlungsteam hilfreich, von den Angehörigen einige wichtige Informationen über den Patienten zu erhalten. Dazu gehört, was sie bisher von der Situation verstanden haben und ob sie mögliche Ursachen kennen, aber auch die aktuelle Medikation des Patienten (welche Medikamente nimmt er täglich?), seine Lebensweise (welchen Beruf übt er aus? Wenn er im Ruhestand ist: Wie gestaltet er seinen Alltag? Raucht er? Gibt es Abhängigkeitserkrankungen?), sein Grad an Selbstständigkeit (ist er aktiv? im Alltag selbstständig? braucht er bei bestimmten Dingen Hilfe?), ob eine Patientenverfügung vorliegt, sowie seine Vorlieben und Hobbys – kurz: alles, was dabei hilft, die Behandlung möglichst individuell auf die Person abzustimmen.
Bei diesem ersten Gespräch besteht meist noch viel Unsicherheit: Noch liegen nicht alle Untersuchungsergebnisse vor, nicht alle Vermutungen sind bestätigt oder ausgeschlossen, und je instabiler der Zustand des Patienten ist, desto größer ist die Unsicherheit darüber, wie sich die nächsten Stunden entwickeln werden. Für Angehörige ist diese Ungewissheit sehr belastend. Das Behandlungsteam ist sich dessen bewusst, kann zu diesem frühen Zeitpunkt jedoch häufig noch keine endgültigen Antworten geben. Diese Unsicherheit kann mehrere Tage, in manchen Fällen sogar mehrere Wochen anhalten. Sie können jedoch sicher sein, dass das Behandlungsteam Sie über wichtige Veränderungen der Situation informieren wird.