Nach der Intensivstation braucht der Patient Zeit, um sich im Alltag wieder zurechtzufinden. Die körperlichen, psychischen und kognitiven Folgen eines Intensivaufenthalts können die Rückkehr nach Hause und in ein „normales“ Leben erschweren. Ihre Unterstützung als Angehörige oder nahestehende Person kann für den Patienten sehr wertvoll sein. Fragen Sie ihn, wobei er Hilfe benötigt, und achten Sie darauf, dass die Unterstützung tatsächlich seinen Bedürfnissen entspricht.
Mehr über die körperlichen Folgen eines Intensivaufenthalts erfahren
Mehr über die psychischen Folgen eines Intensivaufenthalts erfahren
Im Folgenden finden Sie einige konkrete Ideen, wie Sie helfen können:
Wichtige Alltagsaktivitäten planen Ihr Angehöriger braucht möglicherweise Hilfe dabei, Mahlzeiten vorauszuplanen und vorzubereiten, die Versorgung zu organisieren, Medikamente vorzubereiten und einzunehmen sowie Arzttermine im Blick zu behalten und wahrzunehmen. Wenn diese wichtigen Dinge gut organisiert sind und Sie gezielt unterstützen, kann das für Sie beide entlastend sein.
Die Rehabilitation begleiten Nach einem Intensivaufenthalt kann es zunächst schwierig oder beängstigend sein, das Haus zu verlassen. Bieten Sie Ihrem Angehörigen an, ihn nach draußen zu begleiten oder gemeinsam spazieren zu gehen. Wenn er einverstanden ist, können Sie mit ihm einen sanften Rehabilitationsplan aufstellen: kleine körperliche Übungen zu Hause, Physiotherapie, kognitives Training und eine gesundheitsfördernde Alltagsroutine.
Unterstützung aus dem Umfeld organisieren Sie müssen nicht alles allein übernehmen. Fragen Sie in Ihrem Umfeld, wer wobei helfen kann, und erstellen Sie zum Beispiel einen Plan für Besuche und Begleitung bei Ausflügen oder Terminen. Aufgaben und Verantwortung können auf mehrere Familienmitglieder oder Freunde verteilt werden.
Eine verlässliche Routine schaffen In belastenden Situationen geben Routine und Vorhersehbarkeit Halt. Bei kognitiven Schwierigkeiten kann ein strukturierter Tagesablauf außerdem die mentale Belastung verringern. Helfen Sie dem Patienten, feste Orientierungspunkte im Tag zu schaffen: regelmäßige Essenszeiten – das kann auch bei der Medikamenteneinnahme helfen –, eine möglichst konstante Schlafenszeit, feste Ruhephasen sowie geplante Spaziergänge und Freizeitaktivitäten.
Die Verbindung zur Außenwelt fördern Unterstützen Sie die schrittweise Rückkehr in den Alltag: Schlagen Sie Unternehmungen vor, die für den Patienten gut machbar sind, organisieren Sie gemeinsam soziale Kontakte und ermutigen Sie ihn, Hobbys wieder aufzunehmen – immer in seinem eigenen Tempo. Es kann Zeit brauchen, bis man sich in lauten oder unvorhersehbaren Umgebungen wieder sicher fühlt. Manchmal verändern sich Interessen nach einem Intensivaufenthalt. Bleiben Sie offen für diese Möglichkeit.
Auf sich selbst achten Vieles von dem, was Ihnen während des Intensivaufenthalts geholfen hat, kann auch danach nützlich bleiben. Machen Sie weiterhin Pausen und reservieren Sie etwas Zeit für sich: spazieren gehen, lesen, einen Kaffee trinken, bewusst atmen oder sich für ein paar Minuten ohne schlechtes Gewissen zurückziehen.
Hilfe und Anregungen außerhalb des engsten Umfelds suchen Sie können sich ein Unterstützungsnetz aufbauen: Freunde, weitere Familienmitglieder, Vereine sowie Patienten- und Angehörigengruppen können Erfahrungen und Ratschläge teilen. Sie sind nicht allein, auch wenn der Aufbau eines solchen Netzwerks anfangs etwas Energie kostet. Es lohnt sich.
Das eigene Leben wieder aufnehmen Ein Patient, der die Intensivstation gerade verlassen hat, hat oft noch einen längeren Weg vor sich, bis der Alltag wieder normaler wird. Das kann zu unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Erwartungen führen. Sie selbst dürfen jedoch bereits beginnen, Ihr eigenes Leben wieder aufzunehmen: Arbeit, Unternehmungen, Hobbys und Treffen mit Freunden. Das ist wichtig für Ihre psychische Gesundheit – und auch dafür, den Patienten langfristig unterstützen zu können.
Beibehalten, was gutgetan hat Haben Ihnen während des Intensivaufenthalts kleine Nachrichten, Fotos, Videos von niedlichen Katzen oder andere liebevolle Gesten gutgetan? Bitten Sie die Menschen, die Ihnen diese Aufmerksamkeit geschenkt haben, ruhig noch eine Weile damit weiterzumachen. Nach der Entlassung beginnt zwar ein neues Kapitel, aber das bedeutet nicht, dass Unterstützung plötzlich nicht mehr gebraucht wird.
Sicherheit im Alltag schaffen Nach einem Intensivaufenthalt kann vieles Angst machen – besonders die Vorstellung eines Rückfalls des Patienten oder eines neuen Gesundheitsproblems bei einem Angehörigen. Kleine gesundheitsbezogene Sicherheitsrituale können beruhigen: ein Medikamentenplan, ein Kalender für Termine oder eine Liste mit Warnzeichen, auf die geachtet werden soll.
Erfahrungsbericht von CélineÜberfürsorge
Angehörigen wird häufig gesagt, dass während des Aufenthalts auf der Intensivstation jederzeit etwas Unerwartetes geschehen kann und dass das Verlassen der Intensivstation das Ende einer besonders angstbesetzten Phase markiert.
Nach der Verlegung von der Intensivstation können Sie als Angehörige daher große Erleichterung empfinden. Endlich! Die schwerste Phase scheint hinter Ihnen zu liegen, und Sie können hoffen, wieder etwas Leichtigkeit in Ihren Alltag zu bringen und die Angst hinter sich zu lassen. Das ist völlig berechtigt: Sie dürfen sich freuen und diesen wichtigen Schritt gemeinsam mit dem Patienten und Ihrem Umfeld feiern.
Doch auch wenn für Sie das Schlimmste wahrscheinlich vorbei ist, beginnt für den Patienten häufig erst jetzt eine besonders schwierige Phase.
Viele Patienten haben kaum oder keine Erinnerungen an die Intensivstation. Sie waren oft über einen großen Teil des Aufenthalts sediert oder im Koma. Auch wenn diese Zeit keineswegs angenehm war und reale oder delirante Erinnerungen zurückbleiben können, haben sie die Situation anders erlebt und verarbeitet als Sie.
Und ich hatte tatsächlich das Gefühl, dass da eine Kluft war – eine Kluft zwischen ihrem Zustand und meiner Erwartung, sie wiederzufinden und etwas ganz Intensives mit ihr zu teilen, als hätten wir das Gleiche erlebt: diese Sorgen, die Angst, die Beklemmung … Aber als wir endlich miteinander sprechen konnten, sagte sie einfach: „Ich erinnere mich nicht. Ich weiß nicht mehr, was passiert ist.“
Und während dieser ganzen Zeit hatten wir irgendwie angenommen, dass auch sie all das erlebt hätte, dass wir etwas geteilt hätten, etwas Gemeinsames.
Aber so war es nicht.
Bei uns ist in dieser Zeit so viel passiert, auch untereinander: Gespräche, manchmal auch Spannungen. Und für sie war es, als wäre sie von all dem völlig unberührt geblieben.
Natürlich erinnert sie sich an ihre Albträume und an schreckliche Dinge, von denen sie uns erzählt … Aber ja, diese Diskrepanz gibt es ganz eindeutig. Sie war nicht auf dieselbe Weise bei Bewusstsein wie wir.
Laurie, die ihre Freundin Marine während des Intensivaufenthalts begleitet hat
Nach der Intensivstation beginnt der Patient erst allmählich zu begreifen, was Sie als Angehörige bereits in den ersten Tagen verstanden haben: Sein Leben war bedroht. Häufig wird dem Patienten erst nach der Verlegung von der Intensivstation bewusst, was tatsächlich mit ihm geschehen ist.
In dieser Phase nimmt er auch seine neue Verletzlichkeit wahr: körperliche Schwäche, psychische und kognitive Folgen des Intensivaufenthalts und den Weg, der noch vor ihm liegt. Er erkennt, dass er weiterhin auf medizinische Betreuung, Pflege und Ihre Unterstützung angewiesen ist. Das kann Angst machen und bedrückend sein. Selbstvertrauen und Selbstbild können stark erschüttert werden. Viele Menschen fühlen sich nach einem Intensivaufenthalt außerdem schuldig: weil ihre Erkrankung der Familie und anderen Angehörigen Leid bereitet hat, weil die Genesung nicht schneller vorangeht oder weil sie ihre frühere Selbstständigkeit und ihre soziale oder familiäre Rolle noch nicht wiedererlangt haben.
Viele dieser Faktoren können zusammenkommen und eine Depression begünstigen, die nach einem Intensivaufenthalt nicht selten ist. Bleiben Sie aufmerksam und im Gespräch.
Wenn es für Sie nach der Intensivstation vor allem darum geht, nach vorn zu schauen und die Rehabilitation voranzubringen, und Sie als Angehörige bereits sehen, wie weit der Weg schon gegangen wurde, kann sich der Patient dagegen fühlen, als stünde er am Fuß eines riesigen Berges, ohne zu wissen, ob er den Gipfel je erreichen wird.
Ein weiterer Unterschied kann darin liegen, dass Patienten ein starkes Bedürfnis haben, diese Zeit zu verstehen und immer wieder darauf zurückzukommen, weil ihnen klare Erinnerungen fehlen – während Sie vielleicht am liebsten ein neues Kapitel beginnen würden. Wenn solche Gespräche für Sie zu belastend sind, kann Schreiben eine Alternative sein. Sie können auch feste Zeiten für diese Gespräche vereinbaren und bewusst andere Momente schützen, in denen Sie gemeinsam nicht über die Intensivstation sprechen.
Vielleicht wünschen Sie sich außerdem, den geliebten Menschen so zurückzubekommen wie früher und zum früheren Leben zurückzukehren – gerade dann, wenn der Patient selbst begreift, dass er nicht mehr ganz derselbe ist und möglicherweise nie wieder exakt so sein wird wie zuvor. Er braucht dann Verständnis dafür. Ein Intensivaufenthalt hinterlässt Spuren. Manche Menschen müssen danach ihr Selbstbild und ihre Identität neu ordnen.
Diese unterschiedlichen Erlebnisse können belastend sein und das Gleichgewicht einer Beziehung durcheinanderbringen. Viel Kommunikation kann notwendig sein. Manchmal kann eine Paar- oder Familientherapie hilfreich sein oder der Austausch mit anderen Angehörigen, die Ähnliches erleben oder erlebt haben.
Wenn Sie sich mit anderen Angehörigen austauschen möchten, die Ähnliches erlebt haben, besuchen Sie Second Life , das Netzwerk rund um Intensivmedizin und das Leben danach. Das geschlossene und geschützte Netzwerk bringt Patienten, Angehörige und Fachkräfte zusammen. Dort finden Sie Erfahrungsberichte, können sich mit Menschen austauschen, die einen Intensivaufenthalt erlebt haben, und Informationen sowie praktische Ratschläge erhalten.