Die mentale Belastung bewältigenZu Beginn kann es schwerfallen, den Tag zu organisieren: Termine werden vergessen oder es gelingt nicht mehr, an alles gleichzeitig zu denken wie früher. Post-its, Kalender und Notizbuch können sehr hilfreich sein. Informieren Sie andere über Ihre Schwierigkeiten und bitten Sie um Unterstützung – zum Beispiel um eine Erinnerung einige Stunden vor einem Arzttermin.
Sich auch zu Hause wieder zurechtfindenNach der Rückkehr nach Hause kann es vorkommen, dass Sie Dinge nicht finden oder vergessen haben, wo sie aufbewahrt werden. Möglicherweise müssen Sie die Wohnung oder die Aufbewahrung von Gegenständen auch an Ihre derzeitige körperliche Situation anpassen.
Haushaltsgeräte wieder benutzenVielleicht hat Ihr Gehirn während der schweren Erkrankung zwischen „wichtig“ und „weniger wichtig“ neu sortiert. Dann stehen Sie womöglich vor der Waschmaschine und wissen plötzlich nicht mehr genau, wie sie funktioniert. Online-Anleitungen können helfen; ebenso kann es beruhigend sein, wenn eine vertraute Person Ihnen die Bedienung noch einmal zeigt.
Das Haus verlassenGerade in der Stadt können die ersten Wege nach draußen oder das Überqueren einer Straße überraschend schwierig sein. Ihre Angehörigen denken vielleicht nicht daran – und möglicherweise hatten auch Sie selbst nicht damit gerechnet. Nehmen Sie sich Zeit und bitten Sie anfangs um Begleitung. Planen Sie auch die Vorbereitung ein: Was müssen Sie mitnehmen, und wie viel Zeit brauchen Sie, um sich innerlich bereit zu fühlen?
Zurück in die StadtLärm, Verkehr, das hohe Tempo und die vielen Dinge, auf die gleichzeitig geachtet werden muss – Autos, Ampeln, Menschen, Ereignisse – können zunächst überwältigend sein. Wenn möglich, dosieren Sie die ersten Ausflüge: sehr kurz und in Begleitung einer vertrauten Person.
Öffentliche VerkehrsmittelAllein mit Bus oder U-Bahn zu fahren bedeutet, sich von zu Hause zu entfernen und möglicherweise umzusteigen. Selbst für Menschen, die eine Großstadt gut kennen, kann das nach langen Wochen auf der Intensivstation und mit noch unsicherem Selbstvertrauen beängstigend sein. Manche Patientinnen und Patienten finden es hilfreich, sich beim Umsteigen mit einer vertrauten Person zu verabreden.
EinkaufenDie Rückkehr in einen großen Supermarkt kann anstrengend oder verwirrend sein: helles Licht, Hintergrundmusik, Durchsagen und viele Regale können schnell zu viel werden. Vielleicht ist es anfangs leichter, kleinere Geschäfte mit überschaubarer Umgebung zu wählen.
AutofahrenAuch wenn Sie vor dem Intensivaufenthalt sehr sicher gefahren sind, kann die Vorstellung, wieder selbst zu fahren, zunächst beunruhigend sein. Bei kognitiven Folgen oder erhöhter Ermüdbarkeit ist es sinnvoll, sich Zeit zu lassen und bei den ersten Fahrten nicht allein zu sein. Eine vertraute Person kann Sie beim vorsichtigen Wiedereinstieg begleiten, zum Beispiel zunächst auf einem Parkplatz. Falls niemand in Ihrem Umfeld fährt, können ein oder zwei Fahrstunden hilfreich sein.
Um wieder ein Gefühl von Kontrolle zu gewinnen, verspüren manche Patientinnen und Patienten das Bedürfnis, sich ihre eigene Geschichte wieder anzueignen und zu verstehen, was während des Aufenthalts auf der Intensivstation passiert ist – insbesondere in Phasen, in denen sie bewusstlos waren oder einen veränderten Bewusstseinszustand hatten.
Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten:
Angehörige fragenSie können mit den Menschen sprechen, die Sie während des Aufenthalts auf der Intensivstation begleitet haben.
Ihr IntensivtagebuchAuf manchen Intensivstationen werden Angehörige ermutigt, während des Aufenthalts ein Tagebuch zu führen. Falls dies bei Ihnen geschehen ist, kann es viele hilfreiche Informationen über diese Zeit enthalten.
Aufzeichnungen Ihrer AngehörigenManche Angehörige führen von sich aus ein Tagebuch oder machen persönliche Notizen und können Ihnen vielleicht einzelne Einträge zeigen.
NachrichtenverläufeHäufig erstellen Angehörige von Intensivpatientinnen und -patienten einen Gruppenchat, um einander auf dem Laufenden zu halten. Wenn Sie möchten, können Sie um Zugang zu diesen Nachrichten bitten; sie können helfen, Daten und Ereignisse zeitlich einzuordnen.
Mit dem Behandlungsteam sprechenSie können einen Termin mit dem Team der Intensivstation vereinbaren und sich erklären lassen, was passiert ist und welche Behandlungen Sie erhalten haben.
Die Intensivstation noch einmal besuchenSie können auch darum bitten, ein Intensivzimmer zu sehen – vielleicht sogar Ihr früheres Zimmer, sofern es frei ist. Das kann helfen, die Umgebung aus einer neuen Perspektive wahrzunehmen.
Nachsorge nach der IntensivstationFalls Ihre Intensivstation eine Nachsorgesprechstunde anbietet, nutzen Sie diese Termine, um Ihre Fragen zu stellen.
Ihre PatientenakteSie können außerdem bei der Krankenhausverwaltung Einsicht in Ihre Patientenakte beantragen. Eine medizinische Akte ist für die Versorgung geschrieben und für medizinische Laien nicht immer leicht verständlich. Wenn Sie sie anfordern, kann es deshalb hilfreich sein, sie gemeinsam mit einer Ärztin oder einem Arzt durchzugehen.
Das Netzwerk Second Life by 101
Wenn Sie sich mit Menschen austauschen möchten, die ebenfalls einen Intensivaufenthalt erlebt haben, können Sie sich über den folgenden Link beim Netzwerk Second Life anmelden: Second Life by 101.
Manchmal ist es zu schwer, Angst allein zu bewältigen. Was Sie auf der Intensivstation erlebt haben, war eine extreme Belastung für Körper und Psyche. Sie brauchten Unterstützung, um grundlegende Dinge wie Atmen, Essen, Trinken oder Aufstehen wieder zu lernen, und vielleicht benötigen Sie weiterhin Physiotherapie. Auch die Psyche kann Hilfe brauchen, um sich von einer solchen Erfahrung zu erholen.
Wenn Ängste anhalten, Sie schlecht schlafen, wenig Selbstvertrauen haben oder belastende Gefühle wie Schuld erleben, bitten Sie um Unterstützung. Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt kann Fragen beantworten, zuhören, erste Hilfe anbieten oder Sie an eine geeignete therapeutische Fachperson weiterverweisen.
Hilfe für die psychische Gesundheit zu brauchen, ist kein Zeichen von Schwäche – erst recht nicht nach dem, was Sie erlebt haben. Ein Intensivaufenthalt kann eine außergewöhnlich belastende Erfahrung sein.
In Frankreich können Sie sich unter anderem über das Programm „Mon Soutien Psy“ informieren, das unter bestimmten Voraussetzungen psychologische Sitzungen ermöglicht.
Ein Aufenthalt auf der Intensivstation ist eine schwierige und sehr besondere Erfahrung, die sich oft nur schwer in Worte fassen lässt. Es ist nicht immer einfach, mit dem eigenen Umfeld darüber zu sprechen – selbst nicht mit den Angehörigen, die während des Aufenthalts an Ihrer Seite waren. Ihre Erfahrungen unterscheiden sich, und Erinnerungen können sich mit Träumen, Albträumen oder sehr real wirkenden Wahrnehmungen vermischen.
Deshalb kann es hilfreich sein, sich mit Menschen auszutauschen, die Ähnliches erlebt haben. Patientengruppen bieten einen Raum, frei über diese Zeit zu sprechen und zu erkennen, dass manche Gefühle oder ungewöhnlichen Erinnerungen keineswegs selten sind. Fragen Sie Ihre Intensivstation, ob Treffen mit ehemaligen Patientinnen und Patienten angeboten werden.
Auch das Netzwerk Second Life ermöglicht den Austausch mit anderen ehemaligen Patientinnen und Patienten, Angehörigen und Gesundheitsfachpersonen. Dort finden Sie außerdem Interviews und Beiträge des Komitees „Les REAnimés“, einer aktiven Gruppe ehemaliger Intensivpatientinnen und -patienten.
Wenn Sie dem LifeMapp-Team mitteilen möchten, welche Methoden Ihnen geholfen haben, freuen wir uns über Ihre Rückmeldung!