Angehörige unterstützen

Angehörige eines Patienten unterstützen


Ein Aufenthalt auf der Intensivstation verändert nicht nur den Alltag der erkrankten Person, sondern auch den ihrer Angehörigen, die häufig Tag für Tag an ihrer Seite sind.


Zwischen Sorge, Traurigkeit und dem Verlust vertrauter Orientierung tragen diese unterstützenden Angehörigen oft eine große emotionale Belastung. Gleichzeitig richten sie einen erheblichen Teil ihrer Aufmerksamkeit und Energie auf den Patienten. Unter diesen Umständen kann es schwer oder sogar unmöglich werden, den normalen Alltag weiter zu bewältigen.


Wenn man eine solche Situation miterlebt, ist der Wunsch oft groß, die betreuenden Angehörigen praktisch oder emotional zu unterstützen. Gleichzeitig kann man sich selbst überfordert fühlen oder nicht wissen, wie man am besten helfen kann. Menschen, die pflegende Angehörige unterstützen, spielen jedoch eine wichtige Rolle dabei, dass diese die Situation bewältigen können – besonders in den ersten Tagen und wenn der Krankenhausaufenthalt länger dauert. Sie können in schwierigen Zeiten zu echten Stützen werden und genau die zusätzliche Kraft und Energie geben, die Angehörige brauchen, um für den Patienten und zugleich auch für sich selbst zu sorgen.

In diesem Abschnitt finden Sie praktische Hinweise, Anregungen und Ideen, wenn Sie jemanden in dieser Situation unterstützen möchten. Denken Sie daran: Jede Situation ist anders. Am wichtigsten ist, die betroffene Person zu fragen, was ihr tatsächlich helfen würde. Schon aufmerksam zuzuhören ist eine große Unterstützung.

Und vor allem …

Danke für das, was Sie tun!

 

Praktische Unterstützung

Von einem Tag auf den anderen zum betreuenden Angehörigen eines Patienten auf der Intensivstation zu werden, verändert das Leben grundlegend: Fahrten zum Krankenhaus, viele Stunden am Bett des Angehörigen, Sorgen und der Verlust gewohnter Orientierung sind körperlich und emotional oft sehr erschöpfend.



Nach dem Schock der ersten Tage muss der gesamte Alltag neu organisiert werden. Private, berufliche und familiäre Verpflichtungen rücken häufig in den Hintergrund.

Einkaufen, kochen, putzen, die Freizeitaktivitäten der Kinder organisieren oder sich um Haustiere kümmern kann in dieser Zeit sehr oder sogar zu belastend sein – gerade dann, wenn die verfügbare Energie vor allem dem erkrankten Angehörigen gilt.

Eine erste Möglichkeit zu helfen besteht daher darin, praktische Unterstützung anzubieten. Hier einige Beispiele – je nachdem, was Sie selbst leisten können und möchten:


  Fahrten zwischen Zuhause und Krankenhaus können sehr anstrengend sein. Bieten Sie an, die Angehörigen zum Krankenhaus zu bringen oder wieder abzuholen, damit sie nicht übermüdet oder unter Schock selbst fahren müssen – besonders am Tag einer schwierigen Nachricht kann das sehr wertvoll sein.

Wenn Sie in der Nähe des Krankenhauses wohnen, können Sie eine vorübergehende Übernachtungsmöglichkeit anbieten. Auch wenn die Angehörigen nicht über Nacht bleiben, kann ein Ort, an dem sie tagsüber kurz zur Ruhe kommen und die Krankenhausatmosphäre verlassen können, sehr wohltuend sein.


Wenn die Angehörigen Kinder haben, können Sie anbieten, sie zur Schule oder zu Freizeitaktivitäten zu bringen oder sie für einen Nachmittag oder eine Nacht bei sich aufzunehmen. Das entlastet die Eltern und hilft den Kindern zugleich, ein Stück Normalität zu bewahren. Außerdem können die Eltern dadurch eine kleine Pause bekommen, sich ausruhen und auf sich selbst achten.


Wenn Haustiere da sind, können Sie anbieten, sich um sie zu kümmern: Zeit mit ihnen verbringen, füttern, spazieren gehen oder sie gegebenenfalls vorübergehend bei sich aufnehmen. Das kann den Alltag deutlich erleichtern und zugleich Schuldgefühle reduzieren, weil die Betroffenen ihr Tier derzeit nicht wie gewohnt versorgen können.


Sie können auch bei der Organisation des Alltags helfen: zum Beispiel beim Putzen, Aufräumen, Einkaufen oder beim Vorbereiten warmer bzw. gut einfrierbarer Mahlzeiten. Nach einem langen Tag im Krankenhaus ist es eine große Erleichterung, zu wissen, dass zu Hause bereits eine Mahlzeit wartet, ohne dass man noch einkaufen oder kochen muss.


Wenn die Angehörigen dafür offen sind, können Sie außerdem anbieten, sie am Bett des Patienten zeitweise abzulösen. So gewinnen sie etwas Zeit für sich oder für dringende Aufgaben, ohne sich schuldig fühlen zu müssen, weil ihr Angehöriger allein ist.

 

Emotionale Unterstützung

 

Wenn Sie betreuende Angehörige unterstützen möchten, ist schon Ihre bloße Anwesenheit – auch aus der Ferne – sehr wertvoll. Zuhören und kleine Zeichen der Aufmerksamkeit können ihnen helfen, sich in dieser schwierigen Zeit weniger allein zu fühlen.



Vielleicht fühlen Sie sich ganz selbstverständlich wohl in Ihrer Rolle als unterstützende Person.

Es kann aber auch sein, dass Sie sich davor scheuen, ins Krankenhaus zu gehen oder einem Menschen gegenüberzusitzen, der gerade eine so schwere Situation erlebt. Vielleicht haben Sie Angst, nicht die richtigen Worte zu finden. Vielleicht fühlen Sie sich hilflos oder fragen sich, welchen Platz Sie in dieser Situation haben und ob Sie zu aufdringlich sein könnten. Vielleicht fürchten Sie sogar, eher eine zusätzliche Belastung als eine Hilfe zu sein.

Diese Gefühle sind völlig verständlich. Die Situation ist für niemanden einfach, und es erfordert Mut, sich für die Angehörigen zur Verfügung zu stellen. Es gibt nicht die „richtigen“ Worte. Oft liegt der größte Trost darin, dass jemand da ist und man sich getragen fühlt.




Wichtig ist vor allem, offen zu bleiben: Fragen Sie die Betroffenen,
ob sie sich über einen Besuch freuen würden – im Krankenhaus, zu Hause oder draußen – oder ob sie gerade Zeit für sich brauchen. Wenn Sie sie besuchen, denken Sie daran, dass sie wahrscheinlich erschöpft sind. Halten Sie Begegnungen gegebenenfalls eher kurz, besonders wenn Sie Müdigkeit bemerken.



Sie können zum Beispiel ab und zu eine kurze Nachricht schicken, um zu zeigen, dass Sie an die Person denken, oder um zu fragen, ob sie etwas braucht.



Sie können auch anbieten, sie im Krankenhaus zu besuchen. Angehörige verbringen oft viele Stunden im Wartebereich der Intensivstation, besonders während Untersuchungen oder Behandlungen des Patienten. Eine vertraute Person kann in solchen Momenten Wärme und Halt geben, wenn Gedanken kreisen und Angst zunimmt.



Je nachdem, was die Person möchte, können Sie auch eine kleine Auszeit außerhalb des Krankenhauses vorschlagen, etwa einen Kaffee oder einen kurzen Spaziergang. Wenn Sie zusammen sind, können Sie fragen, ob sie über das Erlebte sprechen möchte oder lieber über etwas ganz anderes. Vielleicht können Sie ein paar Nachrichten aus der „Außenwelt“ mitbringen, von gemeinsamen Freunden oder aus dem Alltag, oder eine kleine Ablenkung anbieten, zum Beispiel einen Kinobesuch.



Fragen Sie ganz direkt, was die Person gerade braucht oder möchte, und hören Sie aufmerksam zu. Besonders Ängste und Sorgen müssen nicht immer „gelöst“ werden. Einen Raum zu geben, in dem jemand frei sprechen kann, ist bereits eine große Hilfe und kann starke Gefühle entlasten, die sich während eines Tages auf der Intensivstation angesammelt haben. Fragen Sie auch später immer wieder nach, denn Bedürfnisse können sich verändern.

Erfahrungsbericht von Céline
 Hilfe und Unterstützung annehmen

Eine Mitarbeiterin, ein Mitarbeiter oder eine Kollegin bzw. ein Kollege begleitet einen Angehörigen auf der Intensivstation



Es kann vorkommen, dass eine Person in Ihrem Team durch den Intensivaufenthalt eines nahestehenden Menschen stark belastet ist. In diesem Fall gibt es mehrere Möglichkeiten, wie Sie unterstützen können:

  • Zunächst kann ein vertrauliches Gespräch hilfreich sein. So können Sie anerkennen, wie schwierig die Situation ist, und deutlich machen, dass Sie für die besonderen Bedürfnisse in dieser Zeit offen sind. Es kann außerdem sinnvoll sein, eine feste Ansprechperson zu benennen – etwa Sie selbst, eine Führungskraft, eine Person aus der Personalabteilung oder dem arbeitsmedizinischen Dienst –, damit klar ist, an wen sich die betroffene Person wenden kann, wenn die Situation zu belastend wird. Sie können auch über den in Frankreich vorgesehenen „congé de solidarité familiale“ informieren, der es unter bestimmten Voraussetzungen ermöglicht, sich zeitweise vollständig einem schwer erkrankten Angehörigen zu widmen.

  • Soweit möglich, ist zeitliche Flexibilität für betreuende Angehörige besonders wichtig. Sie brauchen häufig Zeit und Spielraum, um am Bett des Angehörigen zu sein und zugleich berufliche und private Verpflichtungen zu bewältigen. Auch Homeoffice kann die Organisation erleichtern und gleichzeitig Wege sowie die damit verbundene Erschöpfung reduzieren, die in solchen Phasen häufig erheblich sind.

  • Wenn es der Rahmen erlaubt, kann eine vorübergehende Reduktion der Arbeitsbelastung den nötigen Freiraum schaffen, um sich in den ersten Tagen oder Wochen an die außergewöhnliche Situation anzupassen.

  • Wenn die betroffene Person zustimmt, kann es außerdem sinnvoll sein, Führungskraft und Team zu informieren, damit sie die Belastung und mögliche Auswirkungen auf berufliche Aufgaben besser verstehen. Das eröffnet die Möglichkeit, Flexibilität zu schaffen – zum Beispiel Termine oder Fristen zu verschieben –, bestimmte Aufgaben vorübergehend zu übernehmen oder, soweit dies rechtlich und organisatorisch möglich ist, Ruhetage innerhalb des Teams zu spenden. Ressourcen wie LifeMapp können helfen, besser zu verstehen, was ein Intensivaufenthalt für Angehörige bedeutet. 

  • Achten Sie außerdem auf einen behutsamen Wiedereinstieg, insbesondere nach längerer Abwesenheit. Das Ende des Krankenhausaufenthalts bedeutet nicht automatisch das Ende der Belastung. Gerade die Rückkehr nach Hause kann für betreuende Angehörige weiterhin sehr fordernd sein.

  • Wenn nicht Ihre Mitarbeiterin bzw. Ihr Mitarbeiter, sondern eine Kollegin oder ein Kollege betroffen ist, bieten Sie ein offenes Ohr an, sprechen Sie gegebenenfalls mit Vorgesetzten und zeigen Sie diese Ressource. Solche kleinen Gesten können einen großen Unterschied machen.